01.03.2009

Die Bedeutung des Periostes

Artikel zu Plastischer Chirurgie

In einer tierexperimentellen Studie wurde der Einfluss des Periostes auf die Frührevaskularisation freier bikortikaler Augmentationsplastiken untersucht. Dazu wurde in Intubationsnarkose bei fünf Göttinger Miniaturschweinen im intraindividuellen Rechts-Links- Versuch jeweils ein lxl cm großes, periostgedecktes und ein periostfreies kortikospongiöses Transplantat aus dem Kieferwinkelbereich entnommen und in eine präformierte Muskeltasche zwischen Musculus masseter und Ramus ascendens eingebracht und mit Schrauben fixiert. Das Periost des Ramus ascendens wurde ebenfalls entfernt bzw. belassen, d. h. das deperiostierte kortikospongiöse Transplantat wurde auf dem deperiostierten Ramus ascendens und das periostge deckte kortikospongiöse Transplantat auf dem periostgedeckten Ramus platziert.

Nach einem Beobachtungszeitraum von 1-5 Tagen wurden nach Vitalfärbung der Tiere die Knochensegmente, sowie jeweils ein Vergleichsstück, das direkt an das Transplantat angrenzte, entnommen und histologisch analysiert. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass eine frische Knochenneubildung, d. h. eine subperiostale Geflechtknochenregeneration bei keiner der beiden Transplantatformen zu erkennen war, was auf den sehr kurz gewählten Untersuchungszeitraum zurückzuführen ist. Zusätzlich stellten sich bei den periostfreien Transplantaten 15-20 % derOsteozytenhöhlen in den ersten beiden Tagen und 95 % nach fünf Tagen leer dar, ohne dass Revaskularisations- bzw. Revitalisie-rungsmechanismen nachweisbar waren.

Bei den periostgedeckten kortikospongiösen Transplantaten hingegen waren bereits nach drei Tagen zum einen eine gewisse Bildung von Kollagenen parossär, zum anderen eine deutliche Differenzierung der im Periost lokalisierten Zellverbände sowie einsprießende Gefäße aus dem umgebenden Weichteillager im Transplantat über „Kissing Anastomosen" nachweisbar. Histologisch konnte der Nachweis erbracht werden, dass die Revaskularisation des periostgedeckten Transplantates auf zwei Mechanismen basiert. Zum einen über die vorhan denen Havers- und Volkmann-Kanäle, die den aus dem parossären Gewebe einsprießenden Gefäßen als Leitgerüst dienen und zum anderen über die sog. Neo-Kanäle. Sie resultieren aus osteoklastischen Vorgängen aus den kortikalen Strukturen, über die die Gefäße des parossären Weichteilgewebes das Transplantat revaskularisieren.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Periost bezüglich der Revaskularisierung und damit der osteogenetischen Potenz eines freien Knochentransplantates eine zentrale Rolle spielt. Durch die beschleunigteFrührevaskularisation des Transplantates wird einerseits die Ischämiezeit der Osteozyten und Osteoblasten reduziert und damit die Vitalität des Transplantates erleichtert, anderseits werden die osteoprogenetischen Zellen schneller in das Transplantat transportiert. Erst nach dem Vollzug dieses Prozesses ist das Transplantat überlebensfähig. Damit stehen unsere Ergebnisse mit den Resultaten von Thompson und Casson (1970), Knize (1974) und Burstein etal. (1994) im Einklang. Basierend auf den vorliegenden tierexperimentellen Untersuchungen, kann festgestellt werden, dass das Periost bezüglich der frühzeitigen Revaskularisierung, der Vitalerhaltung der Osteozyten und damit der osteogenetischen Potenz eines freien Knochentransplantates eine zentrale Rolle einnimmt.

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